Das frühe Internet (Web1) ermöglichte es ausschließlich technisch versierten Menschen, weltweit zu kommunizieren. Um eine breite Akzeptanz des Internets zu ermöglichen, vereinfachten verschiedene Unternehmen die Benutzerfreundlichkeit des Internets erheblich. So dass ab 2005 etwa Web2-Plattformen entstanden, die es jedem ermöglichten, eigene Inhalte zu erstellen und mit dem Internet zu teilen. Aufgrund der Netzwerkeffekte dieser Plattformen wurden einige Unternehmen so dominant, dass sie heute das Internet im Grunde beherrschen. Diese börsennotierten Unternehmen priorisieren jedoch die kurzfristigen Gewinne ihrer Anleger gegenüber den langfristigen Interessen ihrer Nutzer. Nicht weil sie böse sind, sondern weil die monetären Anreize diese Entwicklung begünstigen. Web2-Plattformen nehmen einen Großteil des Wertes ein, den ihre Nutzer auf diesen Plattformen schaffen. Dafür erhalten die Nutzer lediglich ein Like.
Web 3 ergänzt diese Entwicklung um das Eignen (englisch: own), was dazu führt, das Nutzer eine Art Eigentum an den von ihnen kreierten Inhalten haben können, woraus sich erstmalig die emanzipatorische Chance ergibt, sich von diesen Plattformen zu lösen.
Web 1 = Lesen im Internet
Web 2 = Lesen und Schreiben im Internet
Web 3 = Lesen, Schreiben und Eigentum halten im Internet
Eine kurze Geschichte des Geldes
Es ist gar nicht so selten, dass Währungsordnungen zusammenbrechen. So hatte sich das Währungsregime des Goldstandards weltweit etwa um das Jahr 1870 herum durchgesetzt und war ab 1880 in den Industriestaaten das anerkannte Währungsystem geworden. Bei dem Goldstandard handelt es ich um eine Währungsordnung, bei der die Währung entweder aus Goldmünzen besteht oder aus Banknoten, die einen Anspruch auf Gold repräsentieren und in Gold eingetauscht werden können. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Einlösungspflicht von Banknoten in Gold von vielen Staaten ausgesetzt, so dass der Goldstandard in den Jahren ab 1914 praktisch aufgehoben war. Nach einer Phase flexibler Wechselkurse gab es auf der Konferenz von Genua 1922 eine Einigung, wonach neben Gold auch Devisen als Währungsreserven gehalten werden durften. Das System geriet mit der Weltwirtschaftskrise erneut ins Wanken. Im Juli 1944 beschlossen Repräsentanten aus 44 Staaten das System von Bretton Woods, welches die Vorteile des Goldstandards als festen Wechselkurssystems mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems kombinieren sollte. Dieses System scheiterte aber bereits 1973. Zu dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems gab es starke Wechselkursschwankungen. Diese hängen eng mit der Entwicklung des internationalen Kapitalverkehrs zusammen. In der Folge bildeten sich verschiedene regionale Wechselkursregime heraus. So schlossen sich beispielsweise die Länder der Europäischen Gemeinschaft bereits 1972 vor dem endgültigen Zusammenbruch zum Europäischen Wechselkursverbund und 1979 zum Europäischen Währungssystem (EWS) zusammen, durch das die Wechselkursschwankungen zwischen den Mitgliedsländern innerhalb von bestimmten Bandbreiten beschränkt blieben.
Wenn wir Geld heute neu erfinden könnten, wie würden wir es gestalten?
Das Weltwährungssystem ist heute wesentlich heterogener als zu Zeiten des Bretton-Woods-Systems. Die heutige Weltwährungsordnung ist eine Mischung aus einem System mit fixen und mit flexiblen Wechselkursen. Zwischen den Ländern des EWS und Nichtmitgliedsländern wie zum Beispiel Japan und den USA besteht ein sich frei bewegendes Wechselkurssystem. Auf den internationalen Devisenmärkten in London, New York, Tokio und Frankfurt passen sich in diesem Wechselkurssystem die einzelnen Währungen den Gegebenheiten von Angebot und Nachfrage an.
Eine stark expansive Wirtschaft führt auf einem Planeten mit begrenzten und endlichen Ressourcen irgendwann zu massiven Problemen bis hin zur Zerstörung unserer Lebensgrundlage – der Umwelt.
In seinem 2010 erschienenen Buch „Sacred Economics“ schlägt Charles Eisenstein vor, das Geld mit Naturkapital zu stützen. Wenn man Geld mit Gold unterlegt, so die Überlegung, werden die Menschen mehr Gold schürfen, um es gegen dieses Geld einzutauschen. Die Folge waren in der Vergangenheit diverse Goldrausche zu Zeiten des Goldstandards. Wie stark dieser Anreiz sein kann, sahen wir auch beim – überaus ressourcen-intensiven – Bitcoin-Mining. Wenn man jedoch Geld mit Werten unterlegt, die die Natur schützen und regenerieren, werden die Menschen einen Anreiz haben, genau das zu tun – es entstünde ein „Naturrausch“ sozusagen. Diesen Ansatz bezeichnet man als Regenerative Finance oder #ReFi.
Was kostet der Wald?
Der Wert eines Waldes liegt vor allem in den Möglichkeiten und dem wirtschaftlichen Verwertungspotentials des Landes, aus dem ein Wald herauswächst. Der Preis des Waldes wird also dadurch bestimmt, wie dieses Land in Zukunft genutzt werden könnte: Landwirtschaft, Tourismus, Bergbau, Infrastruktur, Holzproduktion, etc. Was bei einer solchen Transaktion in der Regel nicht erwähnt wird, ist der Wert der Natur, die sich auf dem Land gegenwärtig befindet.
Der erste Versuch der Natur selbst einen bestimmten Wert zuzuordnen, sind der Emmissionsrechtehandel mit Kohlenstoffgutschriften. Ein Unternehmen kann eine Obergrenze, etwa für den Ausstoß von Treibhausgasen, überschreiten, solange der Nachweis erbracht wird, dass an anderer Stelle der Ausstoß von Treibhausgasen zusätzlich reduziert wurde. Diesen Nachweis liefern handelbare Kompensationsgutschriften. Dabei geht es aber vor allem um den Kohlenstoffausstoß, nicht jedoch unmittelbar um die Natur. Für die Natur sollte eher auf den Erhalt gesunder und natürlicher Ökosysteme und auf die biologische Vielfalt incentiviert werden.
Eine Lösung hierfür bietet ReFi. ReFi ist die Kombination aus zwei verschiedenen Disziplinen: regenerative Ökonomie und DeFi. Die regenerative Ökonomie konzentriert sich auf einen ausgewogenen, zirkulierenden Kapitalfluss, der sowohl positive als auch negative externe Effekte einbezieht und sich um die Menschen und das Gemeingut kümmert. Sie untersucht, wie die Wirtschaft gestaltet werden kann, um zu regenerieren, was verloren gegangen ist, und zu bewahren, was übrig geblieben ist, und gleichzeitig langfristigen finanziellen Wohlstand zu gewährleisten. DeFi zielen darauf ab, undurchsichtige, zentralisierte Intermediäre zu beseitigen, um sowohl den Zugang zu Finanzdienstleistungen als auch die Verwaltung des Finanzsystems selbst zu demokratisieren.
ReFi im Emmissionsrechtehandels
Cap-and-Trade ist die verbreitetste Form des Emissionsrechtehandels. Der Staat legt eine Gesamtmenge der Emissionen fest (Cap). Emissionszertifikate in Höhe dieser Gesamtmenge werden in den Markt gebracht, indem sie versteigert oder Verursachern von Emissionen zugeteilt werden. Am Ende eines zuvor definierten Zeitraums müssen die teilnehmenden Verursacher Zertifikate in Höhe ihrer Emissionen vorlegen. Sie können Zertifikate auf einem Markt einkaufen oder verkaufen.
Die Verwendung von nicht-fungiblen Token (NFTs) als Kohlenstoffgutschriften oder Kohlenstoffkompensationen zeigt eine Möglichkeit auf, wie die Web3-Technologie eine umweltfreundlichere Zukunft fördern kann. NFTs als Kohlenstoffgutschriften sind ein langsamer Trend auf den Märkten für regenerative Finanzen (ReFi) und dezentrale Finanzen (DeFi). Die meisten dieser Aktivitäten finden derzeit auf der Polygon-Blockchain statt, da sie bereits ihren gesamten Kohlenstoff-Fußabdruck ausgeglichen hat. Die Art und Weise, wie diese digitalen Vermögenswerte mit Emissionsgutschriften funktionieren, unterscheidet sich jedoch von anderen Unternehmungen in diesem Bereich. Anstelle eines Vermögenswerts oder eines einzigartigen digitalen Kunstwerks dienen die NFTs für Emissionsgutschriften als Speicher für Informationen zu einer bestimmten Cghharge von Emissionsgutschriften. Zu diesen Informationen gehören u. a. die Gesamtzahl der Emissionszertifikate (d. h. wie viele Tonnen), das Jahr der Abnahme, der Projektname, der geografische Standort oder das verwendete Zertifizierungsprogramm.
Darauf reagiert auch der Markt: Kürzlich gab Flowcarbon, ein Projekt, welches den freiwilligen Emmissionsandel auf die Blockchain bringen möchte, eine beeindruckende 70-Millionen-Dollar-Seed-Runde bekannt, investiert ist einzig und allein A16z. Einen Tag später kündigte der VC seinen neuen, vierten Krypto-Fonds in Höhe von 4,5 Mrd. Dollar an. Die Erhöhung hat eine Menge Augenbrauen hochgezogen, vor allem, weil Adam Neumann (ja, der Typ von WeWork) mit seiner Frau die Gründer von Flowcarbon sind. Die Gründung zog eine Menge Kritik auf sich und wurde als “ein Betrug im Betrug” bezeichnet. Auf der anderen Seite kann dies aber auch eine Chance sein: Der Kohlenstoffmarkt ist undurchsichtig, fragmentiert, schwer skalierbar und. Kohlenstoff wird als eine Ware, die er (zumindest noch) nicht ist. Web3-Marktplätze könnten einige dieser Aspekte lösen. Ein erster Schritt besteht darin, das bestehende System zu überbrücken und für Transparenz, Liquidität und Preisermittlung zu sorgen. Der Handel und die Monetarisierung der Emissionsgutschriften ist kein Nullsummenspiel, sondern erhöht die Nachfrage und den Preis. Aber das ist natürlich noch nicht alles. Viele Marktplätze konzentrieren sich bereits auf die Vorfinanzierung (Termingeschäfte) und den Kauf von Emissionszertifikaten. Dies erleichtert die Finanzierung neuer Projekte und ermöglicht es den Käufern, sich gegen das Preisrisiko abzusichern.
ReFi über den Emmissionshandel hinaus
Ähnlich wie bei dem freiwilligen Emmissionshandel könnte man sich auch freiwillige Biodiversitäts- oder Ökosystemgutschriften vorstellen und den zugrunde liegenden Vermögenswert investierbar machen. Französische Finanzinstitute sind jetzt verpflichtet, über Risiken im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt zu berichten. “Dunkelgrüne” Fonds – das sind solche, die ein nachhaltiges Anlageziel verfolgen und sich strikt an den Sustainable Development Goals (SDGs) der UN orientieren – werden immer beliebter und wollen in Vermögenswerte investieren, die dem Geist der Zeit und der sich ändernden Vorschriften standhalten. Es ist von großem Wert, die Natur investierbar zu machen. Dazu müssen vertrauenswürdige Methoden zur Messung, Berichterstattung und Validierung entwickelt werden. Um zu skalieren, sollte das erforderliche Vertrauenshürde so weit wie möglich reduziert und abgeschafft werden. Zum Beispiel durch den Aufbau von Plattformen, die eine dezentralisierte Dateneingabe und die Validierung durch Dritte ermöglichen, sowie durch Smart Contracts, die Zahlungen an die geschaffenen Werte knüpfen.